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Bernhard Götzendorfer
Behind the Scenes

Drei Bühnen in zwei Wochen -- als Builder, nicht als Speaker

waff Future Fit Festival, web3 hub vienna und Wien Software Architecture Meetup: drei Auftritte hintereinander. Warum ich auf Bühnen gehe, weil ich baue – nicht umgekehrt.

Editorial-Tuschezeichnung in Dunkel und Bernstein: ein leeres Rednerpult mit Mikrofon, dahinter angedeutet die Silhouette der Wiener Skyline, Fokus auf der leeren Bühne statt auf einem Redner

TL;DR

Innerhalb von zwei Wochen stand ich auf drei Bühnen: das waff Future Fit Festival im Technischen Museum, ein Live-Demo-Abend beim web3 hub vienna und ein Panel beim Wien Software Architecture Meetup im Accenture-Börsengebäude. Drei sehr verschiedene Räume, eine gemeinsame Linie. Ich gehe nicht auf eine Bühne, um Speaker zu sein. Ich gehe hin, weil ich täglich baue und etwas zu zeigen habe. Dieser Artikel ist der ehrliche Rückblick: was die drei Abende gemeinsam hatten, wie sich das als Solo-Builder neben Accenture und SQUER anfühlt, und warum der Vortrag für mich ein Nebenprodukt ist und nicht das Ziel.

Drei Räume, drei Rollen

Es war nicht geplant, dass die Termine so dicht aufeinanderfallen. Sie haben sich einfach so ergeben, und im Rückblick war genau das lehrreich. Denn jeder der drei Abende hat eine andere Seite derselben Arbeit nach außen gekehrt.

Der erste Abend war das waff Future Fit Festival, genauer das Career-Panel "Code your Career" am 3. Juni im Technischen Museum Wien. Das Publikum war bewusst nicht tief-technisch: Menschen zwischen 18 und 65, viele in beruflicher Neuorientierung, Quer- und Wiedereinsteigerinnen, Orientierungssuchende. Ich war eines von neunzehn Role Models, und neben Namen wie A1, Red Hat oder den Wiener Linien war ich einer der wenigen Solo- und Early-Stage-Teilnehmer im Raum.

Hier ging es nicht um Architektur oder Agenten-Orchestrierung. Hier ging es um die ehrliche Frage, wie man heute überhaupt in dieses Feld kommt. Meine Antwort war keine Erfolgsgeschichte mit roter Schleife. Ich habe mir KI und die dazugehörigen Dev-Skills über lange Zeit selbst beigebracht. Abend für Abend, Wochenende für Wochenende, Prototyp nach Prototyp. Irgendwann hat mein damaliger Job nicht mehr zu dem gepasst, was ich nebenbei aufgebaut hatte. Ich bin auf Events und Hackathons gegangen, habe Leute gefunden, die ähnlich ticken, und arbeite heute in genau dem Feld, das mich angezogen hat.

Der zweite Abend war das Meetup beim web3 hub vienna am 10. Juni. Hier war das Publikum technisch, der Saal voll, und ich hatte etwas Konkretes dabei: session-orchestrator, eines meiner Open-Source-Tools, live auf der Großleinwand. Ich habe den ganzen Lebenszyklus gezeigt, von der Planung über die Session und die Ausführung bis zum Abschluss und der Auswertung. Installation in zwei Slash-Commands, am offenen README. Und dann das eigene GitHub-Profil mit der täglichen Open-Source-Arbeit als Beleg, dass das kein Demo-Theater ist, sondern mein Alltag.

Das ist der Unterschied, der mir wichtig ist. Ich konnte nicht über ein Tool reden, das jemand anders gebaut hat. Ich habe das gezeigt, was ich selbst jeden Tag benutze. Wenn im Saal eine kritische Frage kam, musste ich nicht ausweichen, weil ich nicht über eine Folie geredet habe, sondern über laufenden Code.

Der dritte Abend war das Panel "Architecture & Development in the New" beim Wien Software Architecture Meetup am 16. Juni, im Accenture-Börsengebäude am Schottenring. Das Panel lief auf Englisch. Auf der Bühne saßen zweimal Accenture, dazu SQUER und fab4minds. Und ich. Die anderen sprachen aus der Enterprise- und Beraterperspektive. Neben Accenture, SQUER und fab4minds war ich die einzige Solo-Stimme auf dem Panel.

Wie sich das anfühlt, als Einzelner neben den großen Namen

Ich will ehrlich sein: Wenn man als Solo-Builder neben zwei Accenture-Leuten und dem Chief Technologist von SQUER auf einem Panel sitzt, ist der erste Reflex, an das eigene Standing zu denken. Kein großer Firmenname auf dem Namensschild, kein Team im Rücken, keine Beraterstruktur.

Aber genau das hat sich auf dem Panel als Stärke herausgestellt. Die anderen beschreiben, wie sich Software-Entwicklung in großen Strukturen verändert. Ich lebe diese Veränderung radikal selbst, ohne Freigabeprozess, ohne Guideline-Komitee, ohne jemanden, der mir die Tools verbietet. Meine Agenten schreiben, testen und reviewen, und ich bin der finale Qualitätsrichter. Diese Arbeitsweise ist für eine guardrail-gebundene Organisation kaum eins zu eins nachzubauen, und das ist genau der Kontrapunkt, den so ein Panel braucht.

Ich gehe nicht auf eine Bühne, um Speaker zu sein. Ich gehe hin, weil ich täglich baue und etwas zu zeigen habe.

Ich habe auf dem Panel einen klaren, durchaus polarisierenden Standpunkt vertreten: dass Verifikation, nicht das Tippen, die knappe Fähigkeit geworden ist, und dass eine guardrail-gebundene Organisation diese Umstellung schwerer hinbekommt als ein Einzelner. Den konnte ich sauber argumentieren, weil hinter der Meinung gelebte Praxis steht und keine Theorie. Es gibt einen Unterschied zwischen "ich glaube, das wird so kommen" und "so arbeite ich seit Ende 2024 jeden Tag". Den Unterschied hört ein Raum voller Software-Architekten sofort.

Vortrag ist Nebenprodukt der Substanz

Das ist der rote Faden über alle drei Abende, und es ist mehr als ein Spruch. Ich verstehe mich nicht als jemand, der Vorträge hält. Ich verstehe mich als jemand, der baut. Die Auftritte sind ein Nebenprodukt davon, dass da Substanz ist, über die man reden kann.

Der Unterschied ist nicht kosmetisch. Er verändert, was auf der Bühne passiert:

  • Ich kann nicht ins Schleudern kommen, wenn jemand nachfragt. Wenn das Thema die eigene tägliche Arbeit ist, gibt es keine Folie, hinter der man sich verstecken muss. Eine kritische Frage ist dann kein Risiko, sondern eine Einladung, ins Konkrete zu gehen.
  • Ich brauche keine geliehene Autorität. Kein "laut einer Studie" als Krücke. Beim BitGN-PAC-Hackathon im April bin ich solo angetreten und habe vor Ort in drei Stunden 79 von 104 Punkten erreicht, der zweite Platz lag bei 65. Das ist kein Vortragsargument, sondern ein nachprüfbarer Beleg. Wie dieser Abend abgelaufen ist, habe ich separat aufgeschrieben: Wie ich solo den BitGN-Hackathon gewonnen habe.
  • Der Rahmen war Austausch, kein Verkauf. Bei einem Publikum aus Peers, aus Software-Architekten und Senior-Devs, ging es um Praxis und um Muster. Ein Pitch wäre da der falsche Reflex gewesen.

Genau deshalb ist mir die Reihenfolge wichtig. Erst die Arbeit, dann die Bühne. Nicht umgekehrt. Wer es andersherum macht, baut sich eine Speaker-Identität, die irgendwann von der eigenen Substanz abgekoppelt ist. Ich will lieber der sein, der am nächsten Tag wieder am Rechner sitzt und das baut, worüber er gestern geredet hat.

Was inhaltlich hängen geblieben ist

Die inhaltlichen Thesen reiße ich hier nur an, denn die gehören in eigene Artikel und nicht in einen Rückblick. Aber zwei Linien sind über die technischen Abende hinweg immer wieder aufgetaucht, und sie sind es wert, kurz benannt zu werden.

Die erste ist die Verschiebung des Engpasses. Code zu produzieren ist einfach geworden. Die eigentliche Arbeit ist heute zu beurteilen, ob er hält. Die knappe Fähigkeit ist nicht mehr das Tippen, sondern die Verifikation. Wer freigibt, verantwortet, und Verantwortung lässt sich nicht an ein Modell delegieren.

Die zweite ist die Adoptions-Lücke. Etablierte Teams haben es ehrlich schwer mit diesem Wandel, und das ist kein Vorwurf. Guardrails und Freigabeprozesse existieren aus guten Gründen, und sie machen genau diese Umstellung langsamer. Das Problem ist nicht das Tempo an sich, sondern die wachsende Lücke zwischen dem, was die Werkzeuge heute können, und dem, was eine gewachsene Struktur überhaupt aufnehmen kann. Beide Themen verdienen mehr Tiefe, als ein Bühnen-Rückblick ihnen geben kann.

Fazit

Drei Abende, drei Räume, eine Haltung. Was ich für mich mitnehme, lässt sich in drei Punkten zusammenfassen.

  1. Die Bühne ist ein Spiegel der Arbeit, kein Ersatz dafür. Auf allen drei Auftritten habe ich nur das erzählt, was ich tatsächlich tue. Das hat jeden Abend getragen, vom nicht-technischen Career-Panel bis zum englischsprachigen Architektur-Panel.
  2. Solo zu sein ist neben den großen Namen kein Nachteil, sondern ein Kontrapunkt. Gerade weil ich keine Beraterstruktur im Rücken habe, lebe ich die Veränderung ungefiltert. Das ist auf einem Panel mehr wert als ein bekanntes Logo.
  3. Der Vortrag bleibt Nebenprodukt. Ich baue weiter, jeden Tag. Wenn dabei etwas entsteht, über das es sich zu reden lohnt, dann rede ich darüber. In dieser Reihenfolge.

Die Fotos der drei Auftritte habe ich in der Bildstrecke "Auftritte & Proof" auf meiner Über-mich-Seite gesammelt, falls du sehen willst, wie diese Abende aussahen. Seit 05/2026 bin ich auch als Venture Builder für AI Factory Austria tätig, der Solo-Brand bleibt aber mein Zuhause.

Wenn du selbst anfangen willst, mit KI-Agenten zu bauen, statt nur darüber zu reden: Ein kostenloses Handout und einen Newsletter dazu gibt es auf agenticbuilders.at. Kein Pitch, einfach ein Einstieg für alle, die ähnlich ticken.