Elf Jobtitel, eine Arbeit
Ein Skript fand dieselbe Arbeit unter elf Jobtiteln. Daraus ist BewerbungsGenie geworden, seit 1. Oktober 2026 als Public Beta für Österreich offen.
Delivery Lead. Program Manager. Head of Operations. Projektleiter. Dieselbe Arbeit, elf verschiedene Jobtitel.
Das hat mir Anfang August ein Skript gezeigt, das 84 Jobboards abgegrast hat, 8.520 Stellen. Wer nach einem Titel sucht, übersieht den Rest: 102 von rund 370 passenden Stellen.
Aus dem Skript ist BewerbungsGenie geworden. Ab heute ist es offen, als Public Beta, für Österreich.
Warum ich das überhaupt gebaut hab
Angefangen hat es mit Ärger über Lebensläufe. Einen zu schreiben, der zu einem selbst passt, ist schon Arbeit. Ihn dann auf jede einzelne Stelle zuzuschneiden, ist dieselbe Arbeit noch einmal, und zwar jedes Mal.
Für das, was danach kommt, hab ich nichts gefunden, das mir getaugt hätte. Weder fürs Interviewtraining noch für KI-Hilfe bei Bewerbung und Anschreiben. Ein Chat-Assistent kennt dein Profil nicht dauerhaft, kennt die österreichischen Gepflogenheiten nicht und hat keinen Grund, sich an Belege zu halten.
Dazu kam eine ganz praktische Anforderung. Es sollte am Handy genauso gehen wie am Laptop, und die KI sollte die Grundlage sein, nicht ein Knopf, den man nachträglich dazubaut.
Das Skript vom August hat mir dann gezeigt, dass es nicht nur ums Schreiben geht. Schon das Finden hakt.
Was heute geht (und was noch kommt)
BewerbungsGenie läuft im Browser und ist in Bereiche geschnitten, die aufeinander aufbauen. Vier davon kannst du heute nutzen:
- Profil. Du lädst deinen Lebenslauf als PDF hoch, daraus entsteht dein Profil. Alles Weitere liest aus diesem einen Profil, du tippst nichts zweimal.
- Finden. Stellen in Österreich, abgeglichen nach der Rolle und nicht nach dem Jobtitel. Zu jedem Treffer gibt es die Muss-Anforderungen, und bei Remote- und Auslandsstellen zeigt eine Ampel, ob sie für Österreich offen sind, unklar oder nicht.
- Bewerben. Lebenslauf und Anschreiben zur Stelle, als PDF. Im Anschreiben wird gesiezt.
- Vorbereiten. Der Interview-Coach fragt dich zur Stelle und zu deinem Profil, du antwortest laut und siehst danach, was schon sitzt. Daneben das Fotostudio: Aus einem Handyfoto wird ein Bewerbungsfoto, mit bis zu drei Varianten zur Auswahl, jedes als KI-Bild gekennzeichnet.
Was noch kommt, ist Verwalten, also ein Überblick über laufende Bewerbungen. Den gibt es noch nicht, und die App sagt das auch so, statt eine leere Tabelle hinzustellen.
Die eine harte Regel: kein PDF ohne Beleg
Ratgeber zu KI-Bewerbungen warnen vor allem vor einem: dass sie auffliegen. Ein Sprachmodell schreibt auch Erfahrung, die du nie hattest, ohne zu zögern in ein Anschreiben.
Deshalb gibt es in BewerbungsGenie eine Regel, an der nichts vorbeikommt. Jeder Satz in Lebenslauf und Anschreiben muss auf einen Eintrag in deinem Profil zurückgehen. Das prüft die Belegprüfung, bevor ein PDF entsteht. Was sie nicht belegen kann, markiert sie, Satz für Satz. Du ergänzt dann den Beleg im Profil oder nimmst den Satz raus. Solange etwas offen ist, bleibt das PDF gesperrt.
Die Prüfung läuft in drei Schritten. Zuerst ein fester Abgleich, ob die Quelle im Profil überhaupt existiert. Dann ein Modell, das Zahlen, Zeiträume und Titel gegen den Profiltext prüft. Zum Schluss ein Wächter ohne KI. Er lässt Wörter wie „eigenverantwortlich“ oder „fundiert“ nur mit Beleg durch (das Modell hatte solche Wörter als bloße Umformulierung durchgehen lassen).
Die Stelle, auf die es ankommt, ist unscheinbar. Manchmal liefert das Modell zu einem Satz gar kein Urteil. Ein fehlendes Urteil ist aber kein Freispruch. Im Code ist das ein einziger Vergleich:
const verdict = verdicts.get(unit.id);
if (verdict?.verdict !== 'belegt') {
return [{ text: unit.text, note: verdict?.note?.trim() || undefined }];
}
Alles, was nicht ausdrücklich belegt heißt, fällt durch, auch ein Urteil, das nie gekommen ist. Sonst würde ein schweigendes Modell reichen, um die Sperre aufzumachen. Und die erste Anweisung im PDF-Export ist assertFactCheckPassed(). Ohne bestandene Prüfung gibt es keine Datei, egal, was gerade am Bildschirm steht.
Dieselbe Haltung steckt an zwei anderen Stellen. Wer einen eingescannten Lebenslauf hochlädt, bekommt keine Texterkennung, sondern die klare Ansage, dass das PDF keine Textebene hat. Eine OCR wäre schnell gebaut, nur liefert sie genau die Art Profil, die plausibel aussieht und nicht stimmt. Über eine verwandte Sorte stiller Erfindung hab ich schon einmal geschrieben, als mir ein Transkriptionsmodell eine Endlosschleife aus Höflichkeit in eine Datei geschrieben hat.
Und bei den Knock-out-Kriterien einer Stelle, etwa einem verlangten Führerschein, steht der wörtliche Satz aus der Anzeige daneben. Das Zitat wird gegen den Anzeigentext geprüft. Kein Zitat, kein Kriterium.
Verifikation ist bei mir ohnehin die eigentliche Arbeit. Hier steckt sie halt im Produkt.
Wo es noch schwach ist
Die Stellen kommen, wie schon beim Skript, aus den Bewerbungssystemen der Arbeitgeber. Deshalb ist Finden heute stark bei Tech-, Digital- und Scale-up-Rollen und schwächer bei klassischen Büro-, Handels- und Pflegeberufen. Ein Datum, ab wann sich das ändert, nenne ich nicht.
Beta heißt auch: Ich baue laufend weiter, und es kann noch etwas haken. Interview-Coach und Fotostudio lassen sich einzeln abschalten. Macht der Coach Pause, sagt die App das, statt ein Datum zu versprechen. Und Verwalten fehlt, siehe oben.
Preise und ausprobieren
Free kostet nichts. Drin sind Treffer mit Ampel und Muss-Anforderungen, ein Lebenslauf, Anschreiben zur Stelle, das PDF ohne Wasserzeichen, zwei Übungsgespräche im Monat und drei Bewerbungsfotos. Alle KI-Schritte teilen sich in Free 40 Anfragen im Monat.
Premium kostet 12,90 Euro im Monat und ist monatlich kündbar. Dazu kommt, was Free nicht kann: den Lebenslauf auf jede Stelle zuschneiden, mit einer Liste der Änderungen. Der Karriere-Boost kostet 34,90 Euro einmalig und gibt dir drei Monate lang alles aus Premium, ohne Abo.
Ausprobieren kannst du es auf bewerbungsgenie.at. Wenn dir etwas auffällt, schreib an hallo@bewerbungsgenie.at, die Mails les ich selbst.
Wie aus meinen Prototypen überhaupt Produkte werden, hab ich hier aufgeschrieben. Die anderen Sachen, die ich baue, stehen in der Produktübersicht.