Warum ich ein zweites BuchhaltGenie baue
BuchhaltGenie Doppik wird die doppelte Buchhaltung für Betriebe, die bilanzieren. Start geplant am 1. Dezember. Warum ein eigenes Produkt und was noch fehlt.
TL;DR
BuchhaltGenie ist heute für Einnahmen-Ausgaben-Rechner da. Wer bilanzieren muss, ist bisher gegangen. Für diese Betriebe baue ich BuchhaltGenie Doppik, als eigenes Produkt mit gemeinsamem Login. Der Start ist für den 1. Dezember geplant. Die Freigabe durch eine unabhängige Steuerberatung steht noch aus.
Minus fünf, und kein Fehler
Freitag, 9. Oktober, 22:45. Ich starte eine Session für BuchhaltGenie Doppik. Auf dem Plan steht unter anderem eine Regel für Rechnungen. Korrekturen dürfen das Entgelt einer Rechnung nicht unter null drücken.
Jede SQL-Änderung bekommt zwei Review-Agents. Einer prüft das Fachliche, einer die Sicherheit. Die Fach-Review spielt eine Folge durch, die so kaum jemand tippen würde.
Eine Rechnung wird gebucht, Entgelt 10. Eine Korrektur um plus 10 wird bestätigt. Eine zweite Korrektur um minus 15 wird bestätigt und gebucht. Dann wird die erste Korrektur wieder geöffnet.
Das Entgelt der Rechnung steht jetzt bei minus 5. Keine Fehlermeldung, kein Abbruch, nichts.
Der Grund ist eine einzige Bedingung. Der Trigger, der die Untergrenze prüft, springt bei Entwürfen ab. Und das Wiederöffnen macht aus der bestätigten Korrektur wieder einen Entwurf. Die Regel war also da, sie hatte nur einen zweiten Weg übersehen.
Um 23:15 steht der Fix im Branch, Commit 8087ba3. Das Wiederöffnen prüft jetzt dieselbe Untergrenze. Um 23:33 ist er auf main.
Diese Nacht zeigt, wie streng eine doppelte Buchhaltung sein muss. So ein Zustand darf gar nicht erst entstehen.
Wer bilanzieren muss, ist bisher gegangen
BuchhaltGenie gibt es für Einnahmen-Ausgaben-Rechner und Kleinunternehmer. Rechnungen, Umsatzsteuer, Bankimport. Für viele kleine Betriebe reicht das.
Wer eine GmbH gründet, muss aber bilanzieren. Das gilt für jede Kapitalgesellschaft, auch für die flexible Kapitalgesellschaft. Einzelunternehmen und Personengesellschaften trifft es ab der UGB-Grenze. Die liegt bei 700.000 Euro Umsatz in zwei Jahren hintereinander. Oder bei 1 Million Euro in einem einzigen Jahr. Freie Berufe als Einzelunternehmen müssen nie bilanzieren.
Bisher hieß das: raus aus BuchhaltGenie. Hin zu einem anderen Programm oder gleich alles zur Kanzlei.
Beides hat einen Preis. Gibst du alles der Kanzlei, siehst du deinen Stand oft erst, wenn die Kanzlei gebucht hat. Buchst du in einem zweiten System, erfasst die Kanzlei vieles noch einmal.
Doppik soll genau dazwischen liegen. Du führst den laufenden Stand selbst, Monat für Monat. Deine Steuerberatung bekommt einen abgestimmten Stand und muss keine Belege nachtippen. Den Jahresabschluss erstellt und prüft weiter die Kanzlei.
Zwei Produkte, ein Login
Naheliegend wäre gewesen, die bestehende App einfach zu erweitern. Ein Schalter für die Rechtsform, ein paar Konten mehr. Ich hab mich dagegen entschieden.
Die doppelte Buchhaltung bringt eigene Regeln mit. Jede Buchung geht exakt auf, Soll gleich Haben. Gebuchtes ändert niemand mehr, korrigiert wird nur per Storno. Fertige Monate werden gesperrt. Das Datenmodell von Doppik hält zwölf solcher Invarianten fest, jede mit eigenem Datenbanktest.
Diese Regeln wollte ich nicht in eine App einbauen, die sie für die meisten Betriebe nicht braucht. Deshalb hat Doppik ein eigenes Repo und eine eigene Datenbank für die Buchhaltung.
Gemeinsam bleibt, was du als Nutzer merkst. Bei Doppik meldest du dich künftig mit deinem Konto der bestehenden BuchhaltGenie-App an. Ein Konto und eine E-Mail, egal welche Rechtsform. Dazu eine gemeinsame Sprache und kleine Fachpakete, etwa für österreichische Steuerregeln. Die Fachdaten bleiben getrennt.
Wächst ein Betrieb aus der kleinen App heraus, soll ein Assistent „Betrieb umwandeln“ den Wechsel übernehmen. Ohne dass du alles neu erfasst. So ist es geplant.
Gebucht wird nur, was du gesehen hast
Auf der Produktseite steht ein Satz, den ich wörtlich meine: „Die KI schlägt vor, du buchst.“ Gleich darunter: „Gebucht wird erst, wenn du freigibst.“
Das ist in der Datenbank verankert. Ein Import legt nur einen Entwurf an, keine Buchung. Die Seite zeigt dir den Entwurf und merkt sich seinen Fingerabdruck. Das ist eine Prüfsumme über alles, was die Buchung schreibt: Datum, Konten, Beträge, Steuerfelder, verknüpfte Belege.
Gebucht wird nur mit genau diesem Fingerabdruck. Hat sich der Entwurf seit der Anzeige geändert, lehnt die Datenbank ab. Die Meldung lautet dann: „Entwurf wurde seit der Anzeige geändert, bitte neu prüfen.“ Die Seite lädt neu, und du schaust noch einmal hin.
Was gebucht ist, hängt an einer Kette von Prüfsummen, je Betrieb und Journal. Jedes Glied enthält den Hash des vorigen. Ändert jemand nachträglich eine Buchung, bricht die Kette, und die Prüfung zeigt die Stelle. Verhindern kann die Kette das nicht, sichtbar machen schon. Ganz dicht ist das erst mit einem Anker außerhalb der Datenbank, und den gibt es noch nicht.
Zwei Prüfer finden mehr als einer
Zurück in die Nacht vom 9. Oktober. Die minus fünf hat die Fach-Review gefunden. Die Sicherheits-Review hatte dieselbe Änderung zur Freigabe empfohlen.
Später in der Nacht geht es um manuelle Buchungen mit Steuer. Im ersten Entwurf kann derselbe Beleg zweimal Steuer auslösen. Einmal über die manuelle Buchung, einmal über eine Rechnung. Jede Review erwischt ein Stück davon. Der Fix ist eine neue Regel in der Datenbank: ein Beleg, eine Steuer.
Jetzt gibt die Fach-Review frei, und die Sicherheits-Review schlägt an, mit hoher Priorität. Mit der neuen Regel hätte eine Testdatei beim Commit ihren ganzen Aufbau zurückgerollt. Das war der Fach-Review entgangen. In einer Nacht hat also jede gefunden, was die andere übersehen hat.
Dann kommt noch ein Fund, und der stammt von gar keiner Review. Nebenher ergänzt ein Agent den Fragenkatalog für die Steuerberatung. Dabei stößt er auf eine Regel im Umsatzsteuergesetz. Zahlt ein Kunde vor der Leistung, ist das beim Soll-Versteuerer eine Anzahlung. Die Steuer entsteht dann schon im Voranmeldungszeitraum der Zahlung, nach § 19 Abs. 2 Z 1 lit. a UStG.
Ausgerechnet an diesem Abend hat der Buchen-Dialog „Sofort bezahlt“ bekommen. Noch in derselben Nacht wird die Option vor der Leistung für Soll-Versteuerer gesperrt. Anzahlungen haben inzwischen einen eigenen Ablauf, ein Teil davon ist noch offen.
Was ich daraus mitnehme: Fachfragen früh stellen, nicht erst nach dem Bau.
Was vor dem 1. Dezember noch fehlt
Der Start ist für den 1. Dezember 2026 geplant. Auf buchhaltgenie.at/bilanz kannst du dich auf die Warteliste setzen. Hinein kommst du zuerst nur nach Freischaltung oder Einladung, als Frühzugang im Parallelbetrieb. Dein bisheriges Buch bleibt dabei maßgeblich, Doppik zeigt Vergleichswerte.
Das Wichtigste fehlt noch: die fachliche Freigabe durch eine unabhängige Steuerberatung. Ohne sie gibt es keinen Produktivbetrieb. So steht es als harte Grenze im Produktdokument, und dabei bleibt es.
Die Fragen dafür sammle ich in einem eigenen Katalog. Eröffnung, Storno, Steuerfälle wie die Anzahlung. Was eine Maschine prüfen kann, prüfen Tests und zwei Reviews. Was nur ein Mensch mit Fachwissen abnehmen kann, bleibt offen, bis er es abgenommen hat.
Ob der 1. Dezember hält, zeigen die nächsten Wochen. Ich freu mich drauf. Fest steht schon jetzt: Jede Buchung bleibt ein Entwurf, bis du sie gesehen hast.