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Bernhard Götzendorfer
Business-Strategie

Rund 20 zahlende Nutzer, kein zweiter Kauf

Rund 20 Menschen haben für mein Produkt bezahlt, keiner ein zweites Mal. Was die Zahlen wirklich sagen und warum die Lücke in der Aktivierung liegt.

TL;DR

EventDrop hat seit der ersten echten Zahlung am 21. Juni 2026 rund 20 zahlende Personen, knapp 400 Euro brutto, null Refunds und null Disputes. Stichtag ist der 6. September 2026. Die Zahl, die weh tut, steht nicht in der Umsatzzeile: jede dieser Personen hat genau einmal gezahlt, keine ein zweites Mal. Das ist keine Wachstumsgeschichte. Es ist eine Messgeschichte über ein kleines Produkt, bei dem die interessanten Werte am Ende einer Kette stehen und beide Null sind. Ich schreibe hier auf, was ich gemessen habe, was ich daraus nicht ableiten darf und welche drei Entscheidungen trotzdem daraus wurden.

Was EventDrop ist und warum ich überhaupt zähle

EventDrop ist eine Foto-Sammelstelle für Feiern. Der Gastgeber legt ein Event an, die Gäste scannen einen QR-Code, laden ihre Fotos hoch, und alles landet in einer gemeinsamen Galerie statt in siebzehn Handykameras. Es ist eines der Dinge, die ich neben der Beratung selbst baue und betreibe, sichtbar auch in meiner Produktliste.

Ich lese die Zahlen live aus Stripe und aus der Produktionsdatenbank, nicht aus einem Dashboard-Screenshot. Der Grund ist unromantisch: bei diesen Mengen schwankt jede Kennzahl. Ein Dashboard mit einem Standardfenster von sieben Tagen erzählt mir bei so kleinen Zahlen jeden Tag eine andere Geschichte. Also frage ich den Stand ab, schreibe das Datum dazu und halte mich daran fest. Alle Zahlen hier haben denselben Stichtag, den 6. September 2026, und das Betrachtungsfenster beginnt am 21. Juni 2026, dem Tag der ersten Zahlung, bei der wirklich Geld geflossen ist. Die Sitzungen aus Februar und März waren Gutscheine zu hundert Prozent, in Stripe stehen sie mit Betrag null. Sie gehören nicht in eine Umsatzbetrachtung, auch wenn sie die Liste netter aussehen ließen.

Die Zahlen, ohne Schönfärberei

Rund 20 Personen, knapp 400 Euro brutto, ein Durchschnittsbon knapp unter 20 Euro. Fast alle Zahlungen fielen allein in den August, und mit ihnen fast der gesamte Umsatz. Die stärkste Umsatzwoche lag im August, der Stück-Peak eine Woche später mit fünf Zahlungen. Seit dem 31. August ist es still, keine einzige Zahlung mehr.

Die Verteilung über die Preisstufen: die große Mehrheit Spotlight, eine Handvoll Premiere, ein einziges Mal Flash für 5 Euro. Studio, die oberste Stufe zu 99 Euro, existiert seit dem 30. August und wurde nie verkauft.

Was hier auffällt, ist nicht die Höhe. Ein niedriger dreistelliger Betrag ist für ein Nebenprodukt weder peinlich noch bemerkenswert. Auffällig ist die Form: ein einzelner Monat trägt fast alles, danach kommt nichts nach, und niemand kauft zweimal. Bei einem Produkt, das pro Event verkauft wird, wäre ein zweiter Kauf das erste echte Signal. Eine Hochzeit hat man einmal, eine Firmenfeier jedes Jahr, einen Geburtstag jährlich. Null Wiederkauf über den ganzen Zeitraum heißt entweder, das Fenster ist noch zu kurz, oder das Produkt hat beim ersten Mal nicht genug hinterlassen, dass jemand daran denkt. Ich neige zur zweiten Erklärung, und der nächste Abschnitt ist der Grund dafür.

Was Nutzung heißt, wenn nur die Hälfte anfängt

Insgesamt liegen gut zweitausend Uploads in der Datenbank. Der Median pro bezahltem Event ist niedrig zweistellig. Bei den Events, die tatsächlich in Gang gekommen sind, ist er dreimal so hoch. Die Spanne zwischen diesen beiden Werten ist der ganze Artikel.

Ende August habe ich das systematisch auditiert und mich dabei auf ein Fenster von 60 Tagen beschränkt, damit keine zukünftigen Termine das Bild verzerren. Ergebnis: die Hälfte der bezahlten Events hatte nie ein einziges Foto. Der Audit-Text ist an der Stelle unfreundlich klar: "Realdaten: 50 % der bezahlten Events (9/18, 60 T) haben nie ein Foto, Aktivierung ist die größte Lücke."

Der Rest der Kette macht es nicht besser. Die Hälfte der bezahlten Events kam überhaupt an, ein Drittel kam über zehn Fotos hinaus, eine einzige Weitergabe in ein soziales Netz, kein einziges Recap-Video, keine einzige Verlängerung. Die zwei Nullen am Ende der Kette zeigen: alles, was ich hinter dem eigentlichen Kern gebaut habe, wurde nie erreicht, weil die Leute vorher stehen bleiben.

Wo Gäste tatsächlich hochladen, funktioniert es übrigens gut: die große Mehrheit bleibt anonym und lädt im Schnitt acht Fotos hoch. Der Mechanismus stimmt also. Was fehlt, ist der Weg dorthin.

Eine Versuchung muss ich hier ausdrücklich abwehren. Nimmt man alle Bezahl-Events zusammen, auch die außerhalb des Fensters, sieht die Quote der Events ohne Foto freundlicher aus, und daraus ließe sich eine schönere Zahl basteln. Ich rechne sie nicht, weil bei mehreren dieser Events der Termin schlicht noch in der Zukunft lag. Belastbar ist nur die 60-Tage-Auswertung. Eine bessere Zahl, die auf einer schlechteren Methode steht, ist keine bessere Zahl.

Rund zwanzig Menschen haben bezahlt und keiner ein zweites Mal. Das ist kein Umsatzproblem, das ist ein Aktivierungsproblem mit einer Rechnung daneben.

Die Preisseite hat mir eine Frage gestellt, die ich nicht beantworten konnte

Spotlight kostete 15 Euro, Premiere 39. Als ich die Plan-Definitionen nebeneinandergelegt habe, stand in beiden Stufen dieselbe Zahl: zwölf Funktionen, identische Feature-Flags. Der Unterschied zwischen den Stufen waren ausschließlich Mengen, also Speicher, Gäste, Laufzeit.

Das ist die Frage, die die Preisseite jedem Besucher stellt und die ich nicht beantworten konnte: warum sollte jemand 24 Euro mehr zahlen für exakt dieselben Funktionen? Die Antwort der Kunden ist eindeutig. Zwei von drei bezahlten Events waren die günstige Stufe. Im Entscheidungsdokument steht es so: "Ein Kunde, der die Preisseite liest, hat keinen Grund für Premiere und kauft entsprechend: 14 von 21 bezahlten Events sind Spotlight." Das ist keine Illoyalität, das ist die richtige Entscheidung bei der vorliegenden Information.

Die Mengenlimits, die den Aufpreis rechtfertigen sollten, haben nie jemanden berührt. Das größte gemessene Event brauchte 1,35 Gigabyte Speicher, das sind 2,7 Prozent des 50-Gigabyte-Limits von Premiere. Die größte Gästezahl war 57 gegen ein Limit von 200. Die Tabelle für Co-Admins und Helfer hatte am 18. August exakt null Zeilen, das Feature wurde nie benutzt. Ein Satz aus dem Dokument ist mir seither im Ohr: "Ein Gästelimit, das bei 57 gemessenen Gästen 200 erlaubt, ist weder ein Verkaufsargument noch ein Schutz, es ist nur das Risiko, ein 250-Gäste-Event abzuweisen."

Daraus wurde Pricing v2: Differenzierung über Leistung statt über Mengen. Und Flash flog aus dem Verkauf. Ein einziger Verkauf, 5 Euro Umsatz, das zugehörige Event hatte null Uploads. Eine Stufe, die eine Spalte im Vergleich, vier Zeilen in jeder Übersetzungsdatei und einen Zweig in jedem Plan-Switch kostet und dafür 5 Euro bringt, ist unterm Strich negativ. Technisch bleibt sie erhalten, verkauft wird sie nicht mehr. Etwas zu beenden, weil die Zahlen es sagen, fällt mir inzwischen leichter als früher.

Die Kanäle, die ich mir eingebildet habe

Der August in den Analytics: gut 500 Besucher, knapp 90 Prozent davon mobil, fast ausschließlich aus Österreich. Und dann die Zahl, die ich zweimal lesen musste. Fast alle Besucher kamen direkt. Kein Suchtraffic, praktisch keine Verweise.

Das ist ein Befund über mich, nicht über das Produkt. Es gab nie einen Kanal. Es gab ein Umfeld. Jeder einzelne Kauf kam aus Reichweite, die ich selbst getragen habe, aus Gesprächen, Nachrichten, Empfehlungen von Leuten, die mich kennen. Alles, was ich mir über Akquise erzählt hatte, war eine Erzählung über rund zwanzig Menschen aus meinem Bekanntenkreis.

Das Partnerprogramm passt in dasselbe Bild. Entworfen habe ich es im Februar, scharf geschaltet am 16. August, am 26. August habe ich Partner kalt angeschrieben, am 30. August den Piloten beendet und die Marketingfläche umgebaut. Provisionen: null. Attribution seit dem 24. August: null, jeder Kauf in diesem Zeitraum kam direkt. Am Starttag hing außerdem ein Gate im Weg, das jeden Einladungscode uneinlösbar gemacht hätte, und das Partnerprogramm wäre bei grüner Pipeline still tot ausgeliefert worden. Über diese Sorte Scheinbeleg habe ich in Verifikation statt Tippen ausführlicher geschrieben.

Was ich daraus mitnehme

  1. Eine Preisstufe, die nur mehr Zahlen verkauft, verkauft nichts. Wenn zwei Stufen dieselben zwölf Funktionen haben, kauft jeder die günstigere. Das ist kein Kundenproblem, das ist ein Entwurfsproblem auf meiner Seite. Der Kunde hat die Preisseite richtig gelesen.

  2. Limits, die nie greifen, sind Dekoration. 2,7 Prozent Auslastung eines Speicherlimits heißt, dass dieses Limit noch nie jemanden berührt hat. Es schützt nichts und verkauft nichts, es steht nur in der Tabelle und kostet Pflege. Dasselbe gilt für ein Feature mit null Zeilen in der Datenbank.

  3. Der erste Kauf ist das kleinere Problem. Wenn die Hälfte der Zahlenden nie ein Foto hochlädt, ist der Trichter nicht am Anfang undicht, sondern unmittelbar danach. Ich habe monatelang über Akquise nachgedacht, während der Verlust drei Schritte später passierte. Der nächste Schritt heißt Aktivierung, nicht Reichweite.

  4. Fast alle kamen direkt, also gab es nie einen Kanal. Dieser Anteil hat mehr über meine Marketingannahmen gesagt als jede Konversionsrate. Ein Produkt, das ausschließlich über das eigene Umfeld verkauft, hat noch keinen Beweis erbracht, dass es außerhalb davon funktioniert.

  5. Ein Nullergebnis ist ein Ergebnis. Das Partnerprogramm hat null Provisionen gebracht und trotzdem etwas Belastbares: dass alle Prüfungen grün melden, sagt nichts darüber, ob beim Nutzer überhaupt etwas ankommt. Diese Lektion war teurer als der Pilot.

Fazit

Kein Pivot, kein Pathos. Die Zahlen sagen nicht, dass das Produkt falsch ist. Sie sagen, dass ich an der falschen Stelle gearbeitet habe. Wer bezahlt hat, hat den Kern nie erreicht, und alles dahinter, Recap und Verlängerung, wurde deshalb nicht einmal getestet. Die nächste Runde geht in die Aktivierung: was passiert zwischen dem Bezahlen und dem ersten hochgeladenen Foto, und warum bleibt dort die Hälfte stehen.

Rund zwanzig ist zu wenig für Statistik. Es ist genug für eine Richtung, wenn man aufhört, sich die Zahlen schönzurechnen. Wie dieser Weg vom Bastelstück zum betriebenen Produkt bei mir generell aussieht, steht in Von Prototypen zum Produkt. Was ich hier mitnehme, ist einfacher: gemessene zwanzig sind mehr wert als geschätzte zweitausend.